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125 Jahre KALTENBACH

Aktualisiert am: 10.05.2012 03:51

1887-2012 Aus Lörrach in die Welt

Die KALTENBACH GmbH + Co. KG im südbadischen Lörrach ist 125 Jahre alt. Die Entwicklung von einer Schlosserei zu einem der weltweit führenden Systemanbieter für die Profilstahl- und Blechbearbeitung erzählt KALTENBACH im Jubiläumsjahr in einem Buch und einer großen Ausstellung im Museum am Burghof. KALTENBACH genießt in Lörrach ausgezeichneten Ruf auch deshalb, weil das Familienunternehmen gesellschaftliches Leben mitgestaltet.





Valentin Kaltenbach ist der Geschäftsführer in vierter Generation. Am Stammsitz in Lörrach arbeiten 280 Menschen für KALTENBACH und insgesamt 500 in der Unternehmensgruppe, zu der zwei weitere Produktionsstätten in Burnhaupt (Frankreich) und Hengelo (Niederlande) sowie neun Service- und Vertriebsgesellschaften gehören. KALTENBACH liefert jedes Jahr rund 500 Maschinen aus, beginnend bei einer manuellen Tischkreissäge für rund 4.000 Euro. Das Spezialgebiet aber sind komplette Anlagen zur Profil- und Stahlbearbeitung, die individuell auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten werden. Solche Systemlösungen suchen Unternehmen der gesamten metallverarbeitenden Industrie, aus dem Bereich des Stahlbaus und ebenso des Stahlhandels, der zunehmend den Zuschnitt für seine Kunden übernimmt.






















Die Firmengeschichte
Die Geschichte einer außergewöhnlichen Unternehmerfamilie beginnt 1887 im Dorf Haagen, heute ein Stadtteil Lörrachs: Julius Kaltenbach eröffnet eine Schlosserei und baut für die Fabriken im Wiesental Maschinen zum Drehen, Fräsen oder auch zum Wickeln von Stumpen. Im fünften Jahr, 1891, schafft er mit einem Neubau in Lörrach den Raum für ein zweites Standbein: Landmaschinen. Zu jener Zeit ist Landwirtschaft weitestgehend noch Handarbeit. Julius Kaltenbach bietet mechanische Hilfen fürs Mähen, Dreschen, Futterschneiden und anderes mehr. Er handelt mit fremden Fabrikaten und entwickelt selbst Geräte wie die Holzbandsäge, Obstpresse oder Obstmühle. Die größten Stückzahlen erreicht er mit einem Schlepprechen, den er in Vorarlberg entdeckt und in einer verbesserten Version aus Metall produziert.








Bis Julius Kaltenbach 1926 seinen Betrieb den beiden Söhnen Julius jun. und Hans übergibt, ist der Geschäftszweig Landmaschinen weitaus stärker gewachsen als die Werkzeugmaschinen. Die Brüder teilen das Unternehmen auf. Hans Kaltenbach übernimmt den Maschinenbau und konstruiert 1925 für Opel in Rüsselsheim zwei Schmelzbandsägen – es ist der Beginn des Baus von Metallsägen, die in den nächsten Jahrzehnten das wichtigste Produkt von KALTENBACH werden. Hans Kaltenbach, ein herausragender Konstrukteur, schafft 1938 in Lörrach einen neuen Betriebsstandort – Werk 1 –, kann sein Unternehmen über den 2. Weltkrieg hinwegretten und hilft in karger Nachkriegszeit den Menschen der Region mit einfachen, aber wirkungsvollen Produkten wie dem Kaltenbach-Rolli: Der Leiterwagen, 20.000-fach gefertigt, wird in Notjahren zum wichtigsten Transportmittel in der südbadischen Grenzecke.


Früh in den 1950er-Jahren legen Hans Kaltenbach und sein Sohn Dieter Kaltenbach einen neuen Kurs fest: KALTENBACH konzentriert alles Entwickeln und Produzieren auf Kaltkreissägen. Sogar Schlepprechen und Mostmax-Geräte, Produkte mit langer Tradition, allerdings mit massiv geschwundener Nachfrage, werden schrittweise aus dem Programm genommen.
Die neuartigen Kaltkreissägen überzeugen die Stahlbranche; so spielt der mittelständische Betrieb aus Lörrach beim rasanten Aufbau Deutschlands eine zwar kleine, aber vielbeachtete Rolle. Dieter Kaltenbach entwickelt die Modellreihe weiter, geht nach und nach Partnerschaften mit anderen Herstellern ein und kann seinen Kunden deshalb auch Bohrmaschinen, Bandsägen und mehr bieten. Die Belegschaft in Lörrach wächst von 35 Mitarbeitern – beim Neubeginn 1953 – innerhalb von 20 Jahren auf 350. Und 1987 – KALTENBACH ist 100 Jahre alt – beschäftigt das Unternehmen im In- und Ausland 600 Menschen, der Höchststand in der Firmengeschichte.


1985 beginnen zehn Jahre Firmengeschichte, während derer kein Kaltenbach das Familienunternehmen leitet. Zum Ende dieses Jahrzehnts rutscht KALTENBACH mit dem gesamten deutschen Maschinenbau in eine schwere Krise. Albert H. Patt wird als Generalbevollmächtigter und Sanierer gewonnen. Erst 1994 geht es wieder aufwärts; aber der Umsatz ist seit 1992 um mehr als die Hälfte eingebrochen und die Belegschaft in Lörrach von rund 400 auf 280 Mitarbeiter geschrumpft.
1996 übernimmt mit Valentin Kaltenbach die vierte Generation der Unternehmerfamilie die Geschäftsführung. Er ändert die Strategie markant: KALTENBACH wird seinen Kunden nicht nur das Beste fürs Sägen anbieten, sondern Maschinen und Anlagen für die komplette Bearbeitung von Strahlträgern. Auf dem Weg zum Systemanbieter, der für seine Kunden Probleme löst, erwirbt KALTENBACH weitere Bearbeitungstechnologien auch durch den Zukauf von in Not geratenen Unternehmen. Dafür wird der vierte Standort in Lörrach – Werk 2 –, Dieter Kaltenbach 1970 schuf, massiv ausgebaut.


























KALTENBACH heute
Wer Profilstahl oder Blech bearbeitet, erhält heute bei KALTENBACH alles aus einer Hand: das Sägen und Bohren, Brennen, Schneiden und Ausklinken, Stanzen und Scheren, Strahlen und Konservieren. Etwa drei Viertel des Umsatzes erzielt das Unternehmen außerhalb Deutschlands und immer stärker in aufstrebenden Märkten wie Südamerika, Indien und den GUS- Staaten.
Seit 1997 demonstriert das Unternehmen an einer Hausmesse den Stand der Technik. 2011 reisten 3.200 Besucher aus 52 Ländern zur „IPS – International Partners in Steel“ nach Lörrach und sahen auch Produkte von 40 Mitausstellern aus der Branche. KALTENBACH allein zeigte sieben Neuentwicklungen, darunter die bislang größte Bandsäge.
Die hohe Qualität von KALTENBACH-Produkten nützt das Schwesterunternehmen Profiltec mit seinen zwölf Mitarbeitern. Profiltec saniert im früheren Werk 1 gebrauchte Sägen und modernisiert sie. Seinen Erfolg verdankt Profiltec einer enormen Langlebigkeit dieser Werkzeugmaschinen.





















Mehr als Ökonomie
Nicht allein die Ökonomie muss Richtschnur eines Unternehmers sein. Dafür war Hans Kaltenbach in der zweiten Unternehmergeneration ein Beispiel, und auch sein Sohn Dieter Kaltenbach schaute auf Bedürfnisse der Gesellschaft. Seine eigenen Ideen, wie Leben mitzugestalten und Menschen zu fördern seien, verwirklichte er – im Unterschied zu seinem Vater – konsequent außerhalb des Betriebs. Dafür gründet er 1965 die Dieter Kaltenbach-Stiftung und ließ acht Jahre später das Zentrum für Spielen und Gestalten einrichten. Das sind Werkstätten mit großem Kursangebot und heute 40 Mitarbeitern, die auch Jugendarbeit in vier Städten leisten. Ein zweiter Eckpfeiler des sozialen Engagements von Dieter Kaltenbach wurde 1976 der Berufsbildungsverein bbv. Seit den Anfängen haben hier, in Nachbarschaft des Betriebs, 4.500 Menschen eine Ausbildung, Weiterbildung oder Umschulung durchlaufen.
Das gesellschaftliche Engagement lebt in der Familie Kaltenbach bis heute fort, in ihr sind Stiftung, Zentrum für Spielen und Gestalten sowie der Berufsbildungsverein verankert.